Ansiedlung von Störchen

Das Foto zeigt den Horst in Malsfeld, mitten im Lebensraum brütet hier ein Storchenpaar.

Liebe Storchenfreunde,

wir alle haben an den Weißstörchen die hier seit 2002 leben sehr viel Freude.  Sie beobachten zu können ist ein Geschenk der Natur und die wollen und müssen wir erhalten.

Die erste erfolgreiche Ansiedlung bei uns fand zur grossen Freude aller im Jahr 2002, mitten im Lebensraum, den Ederauen Wabern statt. Der Storch ist ein Kolonienbrüter, zumindest hatte er früher damit Erfolg und deshalb ist dieses Verhalten tief verwurzelt. Er sucht nach Artgenossen und deshalb wurde in Wabern im Jahr 2004 der erste und einzige Naturhorst gebaut. Ein Storchenpaar hatte sich den Spänebunker Blecher dafür ausgesucht und schuf dort ein wahres Bauwerk, dass jedes Jahr ausgebaut wird und an Attraktivität nicht zu überbieten ist. 

Wir wollen uns Natur erhalten und uns weiter an den Störchen erfreuen können.  Gerade deshalb haben wir uns dazu entschlossen diesen Hinweis zur Ansiedlung zu veröffentlichen und hoffen auf Ihr Verständnis.

Dieser Hinweis bezieht sich nicht nur auf die Situation in Wabern, das Aufstellen von künstlichen Nisthilfen muss  verantwortungsvoll geplant werden, überall. 

In Wabern entstanden in den letzten Jahren weitere Kunsthorste, innerorts. Die Dichte der Storchenhorste bereitet uns grosse Sorge, denn 70 % der Flächen werden in unserer Gemeinde landwirtschaftlich genutzt. Daraus ergibt sich für den Weißstorch kein ausreichender Lebensraum.

Hinzu kommt die Präsens anderer Störche in grosser Zahl, viele Horste locken viele Störche an. Die Folge davon ist, die Brutstörche haben nicht einmal mehr Zeit auf Nahrungssuche zu gehen. Sie versuchen den Horst zu verteidigen, Storchenkämpfe sind die Folge.

Dass Störche sich bei Kämpfen gegenseitig tödlich verletzen können ist Natur, aber dass sie  auch verunfallen, wenn sie Strassen, Bahnlinien oder Häuser zu dicht überfliegen, ist eine Gefahr, die wir mit der künstlichen Ansiedlung forcieren. 

Die nächste geschaffene Gefahr, der Nahrungsmangel: er hat zur Folge, dass zahlreiche oder gar alle Jungstörche verhungern und bei Trockenheit auch Altstörche in Not geraten, wenn sie in zu grosser Anzahl ansässig sind. Uns fehlen die Feuchtgebiete, überschwemmte Wiesen sind Lebensraum für den Weißstorch.

Die zahlreichen Renaturierungen der Naturschutzbehörde haben für die altansässigen Störche den Lebensraum in Wabern verbessert. Wenn sich der Anzahl der Brutpaare aber verdoppelt, war alles umsonst, weiteres Land steht nicht zur Verfügung.

Hier sollte man durchaus einmal beginnen über die Sinnhaftigkeit weiterer Ansiedlungen nachzudenken, bzw. Konsequenzen ziehen aus den Geschehnissen der letzten Jahre. Naturschutzprojekte für den Kiebitz und andere Arten vor Ort, sollten dabei auch beachtet werden.

Warum stellen wir Kunsthorste für den Weißstorch auf ?

Weil es ein besonderes Naturereignis ist, Störche beobachten zu können oder weil wir der Art gerne helfen möchten, damit sie einen Brutplatz findet?

Die Grundvoraussetzung für die Ansiedlung ist der vorhandene Lebensraum mit ausreichendem Nahrungsangebot und der ist für 1 Storchenpaar enorm gross.

Unbedingt lösen müssen wir uns heute von Kolonienbruten, denn unser karger Lebensraum bietet Storchenkolonien keine geeigneten Nahrungsgebiete. 

Früher waren Störche auch an den offenen Mülldeponien zu finden und konnten dort ihren Hunger stillen. Früher mussten sie keine weiten Wege zurücklegen, um die kleinen Orte lagen Felder und Wiesen die kaum, oder schonender bearbeitet wurden, Feuchtgebiete auf den es wimmelte von Kröten, Fröschen und Mäusen.

Es gibt in Deutschland

  • nur noch wenige, meist kleinere Feuchtgebiete
  • keine offenen Deponien mehr
  • es gibt so gut wie kein Grünland/Wiesen in vielen Gegenden
  • die Landwirtschaft ist zum Teil nicht mehr nur intensiv sondern schon exzessiv genutzt, das bearbeitete Land bietet keinem Tier mehr Nahrung; Mäuse werden auf den Feldern vergiftet
  • vorhandenen Weiher, Teiche werden durch den Menschen/Freizeitnutzung belegt
  • innerorts ist eine Ansiedlung aufgrund von Strassenverkehr und anderer Gefahren, sowie wegen fehlender Lebensräume im Horstbereich kein geeigneter Standort

Früher… gibt es nicht mehr. Auch wir passen uns dem heute an. Bei Tieren passiert das auch, es dauert aber sehr viel länger.

Diese Zeit kann man den Störchen geben, das wäre dann Natur. Aber dann darf man dem Weißstorch keinen Kunsthorst anbieten, denn der Weißstorch wird ihn annehmen, ob der Lebensraum nun geeignet ist oder nicht. Die Jungtiere bezahlen dies mit ihrem Leben.

In geeignetem Lebensraum werden bei den Störchen meist 3-4, manchmal gar 5 Jungstörche gross. Heute sind es in Deutschland im Durchschnitt gerade mal 2 Jungstörche, d.h. 2-3 sterben.

Kunsthorste in denen über viele Jahre nur 1 Jungstorch oder gar keiner flügge wird, zeigen wohl auf, dass der Lebensraum überbelegt ist.

Oft hören wir das Argument, es ist doch aber Natur, wenn der Storch kein Futter findet, zieht er doch ab?! Ist es Natur, wenn ein Kunsthorst aufgestellt wird?

Der Storch zieht ab und verlässt seine Brut. Im nächsten Jahr kommen aber andere Störche, die es wieder versuchen und ebenso hungern und sterben müssen.

Deshalb unsere Bitte sich vorher mit der Naturschutzbehörde vor Ort in Verbindung zu setzen.

Die Naturschutzbehörde ist es, die in der Folge versucht den vorhandenen Lebensraum zu erhalten. Heute gilt: wo schon Störche ansässig sind, sollte ein Mindestabstand zum nächsten Horst von mindestens 2-3 Kilometern eingehalten werden. Dies nur, wenn dort der Lebensraum ebenfalls geeignet ist, also in der Regel auch an Flussauen.

Auch wir haben in Niedermöllrich einen Storchenhorst aufgestellt, in 2011 als in Wabern fast zeitgleich 2 Horste entstanden. Mit dem Hintergrund die Störche aus dem Ort herauszubringen. Die Lage an der Eder und auch die Gründung der Storchenstation, haben uns dazu veranlasst.

Wir beabsichtigen in diesen Horst Jungstörche einzusetzen, um ihnen eine noch artgerechtere Aufzucht zu bieten, Störche als Ammen zu nutzen. Das war im Jahr 2018 bereits geplant und musste durch die Verletzung unserer Brutstörchin Romy verworfen werden.

Sobald sich die Situation ändert, werden wir diese Möglichkeit nutzen. Weitere Horste werden hier nicht belegt werden, unser Ausweichhorst wird nur als solcher genutzt und kontrolliert, auch von uns.

Ein einzelner Horst, der mitten im Lebensraum steht ist nach heutigen Erfahrungen der beste Standort für ein Storchenpaar.

Nahrungsbedarf der Störche

Die Altstörche benötigen für sich mindestens 500g -1000g pro Tag, je nachdem wie aktiv sie sind.  Für jeden Jungstorch im Horst müssen sie bis zu 1,5 kg pro Tag erbeuten über einen sehr langen Zeitraum.  Die Nahrung besteht aus Würmern, Heuschrecken, Mäusen, Fröschen und anderem Kleingetier.

Ist es zur Schlupfzeit in Wabern trocken, das ist die Regel,  beginnt bereits die erste Not.  Woher Regenwürmer nehmen, es ist kein Feuchtgebiet vorhanden. Lediglich dem Storchenpaar in den Ederauen steht dafür ein kleines Gebiet zur Verfügung, dem Horst Wabern II eine kleine Fläche an der Schwalm, die allerdings in den letzten Jahren schon reduziert wurde.

Für 2 Paare mag das gerade so reichen, normale Verluste eingerechnet.


Höhere Bruterfolge als 1 Küken werden in Wabern nur durch Zufütterung erlangt.

Kunsthorste in Kolonien ohne ausreichenden Lebensraum werden immer wieder andere Störche veranlassen dort zu brüten, das Leid hat kein Ende.
 

Helfen Sie uns dabei den Störchen zu helfen, wenig ist mehr!