Ansiedlung von Störchen

Das Foto zeigt den Horst in Malsfeld, mitten im Lebensraum brütet hier ein Storchenpaar.

Liebe Storchenfreunde,

wir alle haben an den Weißstörchen die hier seit 2002 leben sehr viel Freude.  Sie beobachten zu können ist ein Geschenk der Natur und die wollen und müssen wir erhalten.

Kunsthorste jedoch sind nicht natürlich geschaffen. In Wabern haben wir einen Naturhorst, der allerdings wohl nur durch die Präsens der Ederstörche vom Horst Wabern I gebaut wurde.  

Wir wollen uns Natur erhalten und uns weiter an den Störchen erfreuen können. Dies darf aber nicht zu Lasten der Tiere gehen. Gerade deshalb haben wir uns dazu entschlossen diesen Hinweis zur Ansiedlung zu veröffentlichen und hoffen auf Ihr Verständnis.

Dieser Hinweis bezieht sich nicht nur auf die Situation in Wabern, das Aufstellen von Storchenhorsten muss  verantwortungsvoll zum Schutz der Störche erfolgen, überall.

Warum stellen wir Kunsthorste für den Weißstorch auf ?

Weil es ein besonderes Naturereignis ist, Störche beobachten zu können oder weil wir der Art gerne helfen möchten, damit sie einen Brutplatz findet?

Die Grundvoraussetzung für die Ansiedlung ist der vorhandene Lebensraum und der ist für 1 Storchenpaar enorm gross.

Unbedingt lösen müssen wir uns heute von Kolonienbruten, denn unser karger Lebensraum bietet Storchenkolonien keine geeigneten Nahrungsgebiete.  Die Jungstörche werden verhungern, die Altstörche werden einem unglaublichen Stress ausgesetzt. Storchenkämpfe gefährden obendrein altansässige Störche und deren Brut.

Früher waren Störche auch an den offenen Mülldeponien zu finden und konnten dort ihren Hunger stillen. Früher mussten sie keine weiten Wege zurücklegen, um die kleinen Orte lagen Felder und Wiesen die kaum, oder schonender bearbeitet wurden, Feuchtgebiete auf den es wimmelte von Kröten, Fröschen und Mäusen.

Es gibt in Deutschland

  • nur noch wenige, meist kleinere Feuchtgebiete
  • keine offenen Deponien mehr
  • es gibt so gut wie kein Grünland/Wiesen in vielen Gegenden
  • die Landwirtschaft ist zum Teil nicht mehr nur intensiv sondern schon exzessiv genutzt, das bearbeitete Land bietet keinem Tier mehr Nahrung; Mäuse werden auf den Feldern vergiftet
  • vorhandenen Weiher, Teiche werden durch den Menschen/Freizeitnutzung belegt
  • innerorts ist eine Ansiedlung aufgrund von Strassenverkehr und fehlender Lebensräume im Horstbereich kein geeigneter Standort

Früher… gibt es nicht mehr. Auch wir passen uns dem heute an. Bei Tieren passiert das auch, es dauert aber sehr viel länger.

Diese Zeit kann man den Störchen geben, das wäre dann Natur. Aber dann darf man dem Weißstorch keinen Kunsthorst anbieten, denn der Weißstorch wird ihn annehmen, ob der Lebensraum nun geeignet ist oder nicht. Die Jungtiere bezahlen dies mit ihrem Leben.

In geeignetem Lebensraum werden bei den Störchen meist 3-4, manchmal gar 5 Jungstörche gross. Heute sind es in Deutschland im Durchschnitt gerade mal 2 Jungstörche, d.h. 2-3 sterben.

Kunsthorste in denen über viele Jahre nur 1 Jungstorch oder gar keiner flügge wird, zeigen wohl auf, dass der Lebensraum überbelegt ist.

Kunsthorste haben nichts mit einer natürlichen Brut zu tun, der Mensch ist dafür verantworlich.

Deshalb unsere Bitte sich vorher mit der Naturschutzbehörde vor Ort in Verbindung zu setzen.

Die Naturschutzbehörde ist es, die in der Folge versucht den vorhandenen Lebensraum zu erhalten. Heute gilt: wo schon Störche ansässig sind, sollte ein Mindestabstand zum nächsten Horst von mindestens 2-3 Kilometern eingehalten werden. Dies nur, wenn dort der Lebensraum ebenfalls geeignet ist, also in der Regel auch an Flussauen.

Kunsthorste ohne ausreichenden Lebensraum

In Wabern entstanden in den letzten Jahren weitere Kunsthorste, innerorts. Die Dichte der Storchenhorste bereitet uns grosse Sorge, denn 70 % der Flächen werden in unserer Gemeinde landwirtschaftlich genutzt. Daraus ergibt sich für den Weißstorch kein ausreichender Lebensraum.

Hinzu kommt die Präsens anderer Störche in grosser Zahl, viele Horste locken viele Störche an. Die Folge davon ist, die Brutstörche haben nicht einmal mehr Zeit auf Nahrungssuche zu gehen. Sie versuchen den Horst zu verteidigen.

Der Nahrungsmangel  hat zur Folge, dass zahlreiche oder gar alle Jungstörche verhungern und bei Trockenheit auch Altstörche in Not geraten, wenn sie in zu grosser Anzahl ansässig sind. Uns fehlen die Feuchtgebiete, überschwemmte Wiesen sind Lebensraum für den Weißstorch.

Ein einzelner Horst, der mitten im Lebensraum steht ist nach heutigen Erfahrungen der beste Standort für ein Storchenpaar.

Bei der Anwesenheit von Fremdstörchen können die Störche im näheren Umfeld immer noch Nahrung suchen, ganz wichtig wenn die Jungstörche noch sehr klein sind.

Die Störche streifen im Frühjahr umher, suchen nach freien Horsten und siedeln sich sehr gerne in der Nähe der Artgenossen an. Einen Naturhorst zu bauen dauert ca. 3 Wochen. In dieser Zeit erkunden sie auch den Lebensraum und das Nahrungsangebot. Ist es nicht ausreichend, müssen sie Hunger leiden, ziehen rechtzeitig ab.

Künstlich geschaffene Horste verkürzen diesen Zeitraum.  Wenn die Brutzeit begonnen hat, bleibt der Weißstorch seinem Horst treu. Erst nach vielen verlustreichen Jahren wird er diesen Standort aufgeben.

Die Statistik der letzten Jahre zeigt es auf, es gibt zu viele Storchenhorste bei ungenügendem Nahrungsangebot für die Störche in Wabern.

Bei anhaltender Trockenheit herrscht bei uns innerhalb kürzester Zeit akuter Nahrungsmangel für die vielen Brutstörche, denn der Bedarf ist enorm.

Die zahlreichen Renaturierungen der Naturschutzbehörde haben für die altansässigen Störche den Lebensraum in Wabern  verbessert. Wenn sich der Anzahl der Brutpaare aber verdoppelt, war alles umsonst, weiteres Land steht nicht zur Verfügung.

Hier sollte man durchaus einmal beginnen über die Sinnhaftigkeit weiterer Ansiedlungen nachzudenken, bzw. Konsequenzen ziehen aus den Geschehnissen der letzten Jahre. Naturschutzprojekte für den Kiebitz und andere Arten vor Ort, sollten dabei auch beachtet werden.

4 Horste alleine im Ortskern von Wabern locken immer mehr Fremdstörche an, die das Gelege der anderen Horste stark gefährden. Den Altstörchen bleibt dann nicht einmal mehr Zeit auf Futtersuche zu gehen, sie versuchen ihren Horst zu verteidigen und geben irgendwann entkräftet auf – das Männchen zieht ab, das Weibchen hat keine Chance das Gelege zu verteidigen. Man kann es leider nicht oft genug schreiben.

Zwei Bruten auf dem Horst Wabern V,  der als  4. Horst im Ortskern von Wabern entstanden ist, wurden 2017 und 2018 durch Fremdstörche genau aus diesen Gründen zerstört.

Verlorene Zeit für die Altstörche! Eine gefährliche Zeit, in der sie durch die vermehrten Kämpfe auch ihr Leben verlieren können und ihre Brut. Andernorts hätten sie nach unserer Überzeugung wesentlich bessere Chancen für ein erfolgreiches Brutgeschäft.

Deshalb sind wir mit der Bitte den Horst Wabern V zu entfernen an die kath. Kirche herangetreten, bereits im letzten Jahr 2017. Es wäre die richtige Zeit dafür, denn ein festes Paar, das um diesen Horst kämpfen wird, gibt es dort zur Zeit nicht.

Langfristig sollte unserer Meinung nach in Wabern mindestens noch 1 weiterer Horst zu einem geeigneten Zeitpunkt abgebaut werden. Fällt ein Männchen aus, schließt sich das Weibchen schnell einem anderen Storch an.

Geht man strikt nach dem Nahrungsangebot, dürfte es im Ortskern von Wabern nur einen Storchenhorst geben, das ist unsere Schlussfolgerung aus den letzten Jahren intensiver Beobachtung.

Nahrungsbedarf der Störche

Die Altstörche benötigen für sich mindestens 500g -1000g pro Tag, je nachdem wie aktiv sie sind.  Für jeden Jungstorch im Horst müssen sie bis zu 1,5 kg pro Tag erbeuten über einen sehr langen Zeitraum.  Die Nahrung besteht aus Würmern, Heuschrecken, Mäusen, Fröschen und anderem Kleingetier.

Ist es zur Schlupfzeit in Wabern trocken, das ist die Regel,  beginnt bereits die erste Not.  Woher Regenwürmer nehmen, es ist kein Feuchtgebiet vorhanden. Lediglich dem Storchenpaar in den Ederauen steht dafür ein kleines Gebiet zur Verfügung, dem Horst Wabern II eine kleine Fläche an der Schwalm, die allerdings in den letzten Jahren schon reduziert wurde.

Für 2 Paare mag das gerade so reichen, normale Verluste eingerechnet.


Höhere Bruterfolge als 1 Küken werden in Wabern nur durch Zufütterung erlangt.

Kunsthorste in Kolonien ohne ausreichenden Lebensraum werden immer wieder andere Störche veranlassen dort zu brüten, das Leid hat kein Ende und es ist von uns geschaffen !
 

Helfen Sie uns dabei den Störchen zu helfen!