Die Geschichte der Weißstörche, in Hessen und dem Schwalm-Eder-Kreis

Rückkehr der Störche 2019

nachfolgend der Link zur Übersicht der aktuellen Horstbelegung

Rückblick – wie alles begann

Die Rückkehr des Weißstorches in Hessen ist ein großer Erfolg des Naturschutzes. 1986 gab es kein einziges Brutpaar mehr im Schwalm-Eder-Kreis.

In Wabern lebten in früheren Jahren nach Borggreve im Jahr 1871 ca. 30 Storchenpaare!

AUS GEBHARDT UND SUNKEL – Die Vögel Hessens: “An eignen Beobachtungen habe ich schließlich noch hinzuzufügen, daß Ciconia alba in vielen (ca. 30 Pärchen) eine frühere Reiherkolonie in der Nähe der hessischen Eisenbahnstation Wabern bewohnt!” Vor dem 2. Weltkrieg gab es in Deutschland ca. 9000 Weißstorchpaare, in Hessen waren es mehr als 200 Paare (1938:225 nach Gebhardt & Sunkel) . Die erste Storchenzählung fand bereits im Jahr 1934 statt. 1966 waren es in Hessen nur noch knapp mehr als 30 Storchenpaare; bis Mitte der 1980ziger Jahre war der Bestand deutschlandweit um 60 % eingebrochen. Der Tiefstand in Hessen war erreicht: nur noch ein Storchenpaar brütete hier.  

In dem kleine Ort Steina in der Nähe von Loshausen, gab es Mitte der 1940ziger Jahre einen Storchenhorst.(Heinz Stübing, HGON)  Die Kinder kletterten dort des öfteren zu den Störchen herauf um sich an ihnen zu erfreuen, sie zu streicheln.

Zur Besatzungszeit wurde das Storchenpaar von den Amerikanern erschossen. Nie wieder haben sich dort Weißstörche niedergelassen.

Der Horst in Loshausen I ist der älteste Storchenhorst im Schwalm-Eder-Kreis. Bereits 1961-1965 wurde dort erfolgreich gebrütet.

Der Weißstorch wurde in die Liste der streng geschützten Vogelart aufgenommen.

Die Naturschutzverbände waren alamiert, der NABU machte den Weißstorch zu seinem Wappenvogel und den Weißstorchschutz zu einem erklärten Ziel.

Störche in Hessen

Wiederansiedlungsprojekte hatten in Hessen zwar wenig Erfolg, einer der erfolgreichsten Brutstörche in Wabern stammt allerdings aus einem Wiederansiedlungsprojekt aus Frankreich. Diese Störche sind beringt und können deshalb identifiziert werden. Mehr dazu unter Beringung Störchen

Unser Weißstorch Georges – Paris P 9050 

Weißstorch Wabern Georges
Waberner Storch Georges, P 9050

Die Ciconias ciconias sind ursprünglich Kolonienbrüter, eine Storchenkolonie hat ihnen früher gezeigt, dass dort ein guter Lebensraum ist, wo Artgenossen brüten.  Dieses Verhalten ist genetisch bedingt und hat über viele Hunderte von Jahren zum Bruterfolg geführt. Heute ist es leider trügerisch, denn die zum größten Teil landwirtschaftlich  genutzten Flächen bieten ihnen kaum Nahrung, allenfalls für sich selber reicht es in den feuchten Monaten, also gerade während der Suche nach einem Horst. Die Ansprüche der Störche an den Lebensraum sind hoch.

Im Jahr 2018 brüteten in Hessen 691 Storchenpaare, im Durchschnitt wurden in jedem Horst 2 Jungstörche flügge.

In den meisten Landkreisen stiegt die Zahl der Storchenhorste an, in Groß-Gerau wurden 30 neue Horste belegt. Kunsthorste werden in Südhessen jetzt kaum noch aufgestellt, der Storch baut dort seinen Horst von alleine. (Quelle Nabu Hessen)

Ansiedlung in Wabern

Auf Initiative  des Bürgermeisters von Wabern, wurde 1996 in den Ederauen Wabern ein Kunsthorst errichtet. Sichtungen von durchziehenden und rastenden Weißstörchen in Wabern, nicht zuletzt angelockt von der Mülldeponie in Uttershausen,  waren die Grundlage für eine erfolgreiche Ansiedlung. 

Im Schwalm-Eder-Kreis gab es zu dieser Zeit nur einen weiteren Horst, den Horst auf der Molkerei in Loshausen. 

Zwei weitere Horste wurden errichtet: in Zennern (wurde nach ca. 15 Jahren entfernt) und Unshausen (seit 2017 belegt). Weißstörche nahmen den Horst in den Ederauen, Wabern im Jahr 2002 erstmals an, es dauerte also 6 Jahre, bis Störche sich für den Standort in Wabern, für den Horst Wabern I, Ederauen, entschieden. Diese Zeit bis zur Besidlung eines bestehenden Kunsthorstes ist nicht ungewöhnlich. Nur wenn bereits Storchenpaare ansässig sind. lassen sich weitere Störche schnell nieder, werden angelockt von den Artgenossen.

Alke und Eberhard Schrader (HGON) betreuten den Horst Wabern I in den Ederauen. Sie gaben diese ehrenamtliche Tätigkeit des Storchenhorstbetreuers an Manfred Gunia weiter, der  ab 2004 auch die Betreuung des Horstes Spänebunker Blecher, Wabern übernahm. Waberns Störchen ging es gut zu dieser Zeit, es war ausreichend Nahrung vorhanden, mindestens 80% (4 Jungstörche) wurden im Horst flügge. 2 dieser beiden flüggen Jungstörche fielen in den Schornstein der Schreinerei, Manfred Gunia war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, beobachtete den Absturz und handelte! Hier die Geschichte dazu https://stoerche-wabern.bplaced.net/jungstoerche-fielen-in-einen-schornstein/

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Weißstörche in den Ederauen Wabern, Wabern I, auf dem ältesten Horst Waberns, belegt seit 2002 Foto Christian Gelpke

Hier geht es zur Aktuellen Storchensaison 2019

Lebensraum für unsere Störche in Wabern

Die Ansiedlung im Jahr 2002 wurde durch die damals noch bestehende Mülldeponie in Uttershausen begünstigt. Dort fanden die Störche einen gedeckten Tisch und entschlossen sich zu bleiben.

Die Deponie besteht heute nicht mehr.

Die Zahl der Kunsthorste ist in den letzten Jahren besorgniserregend angestiegen. Die Anzahl ist von 2 Horsten im Jahr 2004 (1 Kunsthorst, 1 Naturhorst) auf 5 Horste im Jahr 2011 (4 Kunsthorste, 1 Naturhorst ) – wovon alleine 4 Horste im Ortskern von Wabern stehen – und 7 Horste im Jahr 2017 angestiegen.

Fehlen die Feuchtwiesen, die den Störchen auch in den Monaten der Aufzucht ausreichend Nahrung bieten, kommt es zu Nahrungsengpässen.

Die künstliche Ansiedlung des Weißstorches liegt in unserem Verantwortungsbereich.