Nahrungsmangel

Nahrungsmangel gab es in natürlicher Form immer wieder im Tierreich aufgrund von Wetterextremen,  lang anhaltenden Hitze- oder Regenperioden, oder hervorgerufen durch Naturkatastrophen. Nichts Ungewöhnliches, im nächsten Jahr verläuft die Brut dann wieder erfolgreich.  Verluste werden so ausgeglichen.  Das ist Natur und galt früher einmal  für alle Tiere, bis der Mensch eingegriffen hat.

Dieser Eingriff hatte weitreichende, für die Tiere fatale Folgen. Denn fortan ist es der Mensch, der nicht mehr zum Zweck des Überlebens tötet: nicht aus Hunger,  sondern selektiert wie es ihm beliebt.

  •  manche Tierarten vermehren sich im Übermaß, weil die natürlichen Feinde nicht mehr vorhanden sind. Die Folge ist, sie werden bekämpft, vergiftet oder werden zum jagdbaren Wild erklärt, der Mensch bestimmt welche Arten er erhalten will, reduziert, welche er vernichtet. Abgestimmt auf die Bedürfnisse des Menschen.
  • andere Arten gehen zurück, verschwinden langsam aus diesem zerstörten Lebensraum, Wiederansiedlungsprojekte sind die Folge, der Mensch versucht die Art zu erhalten, der Mensch bestimmt welche Art er fördern will und welche nicht.

Der Weißstorch ist ein Symbol für Glück, ein Symbol für Natur.

Wenn wir uns dieses Wunder erhalten wollen müssen wir viel mehr Rücksicht nehmen, nicht nur aufhören Lebensräume zu zerstören sondern sie wieder herstellen. Wo ist das Land dafür, wird uns das gelingen?

Auswilderungsprojekte fast ausgestorbener Arten sind gescheitert, weil der Lebensraums nicht angemessen war. Daraus hat man gelernt, heute wird bei den bedrohten Arten erst ein Lebensraum geschaffen und mit enormem Aufwand erhalten, der mit Natur wiederum nichts zu tun hat.  Die Ansiedlung erfolgt dann auf natürlich Weise, Kunsthorste gehören nicht dazu.  Da der Lebensraum nur in kleinem Maß geschaffen werden kann, siedeln sich nur wenige Individuen an. Sie sollen vor dem Aussterben in unserem Land bewahrt werden.

Dem Weißstorch half man Mitte der 90ziger Jahre durch das Aufstellen von Kunsthorsten, denn von alleine klappte und klapperte es nicht.

Die Evolution hat Störche gelehrt nach einer Kolonie zu suchen, heute gilt eher: wehe sie finden sie

Wenn der Mensch hier noch einen Kunsthorst anbietet, sie werden ihn annehmen.

Dann zahlt der Weißstorch bzw. der Nachwuchs die Zeche, denn kaum ein Gebiet in Deutschland ist heute noch so ergiebig, dass es zahlreiche Storchenpaare  mit ausreichendem Futterangebot für die kleinen Ciconias versorgen kann. Ja, in einigen wenigen Gebieten funktioniert das, da hat der Naturschutz aber auch einen ganz anderen Stellenwert, Wiesen werden künstlich feucht gehalten für den Weißstorch und andere  bedrohte Arten, also ebenfalls künstlich geschaffener Lebensraum.

Regionen in denen die Agrarwirtschaft wie in Wabern, 70% der Flächen nutzt, sind sicher nicht geeignet für eine Storchenkolonie, allenfalls für 1, max. 2 Storchenpaare haben hier bei einigermassen normalen Witterungsverhältnissen eine Chance zu überleben.

Das genetische Verhalten eines Kolonienbrüters ist noch immer zu tiefst verwurzelt im Weißstorch

Dies zeigt sich bei der künstlichen Ansiedlung von Störchen in Flussauen, die einem Storchenpaar im Zuge der Wiederansiedlung “angeboten” wird. Es dauert sehr viele Jahre, bis Störche diesen Horst annehmen, sofern keine Artgenossen in der Nähe brüten. Die Menschen werden dabei schon ungeduldig, wann kommt er denn endlich, der Glücksbringer.

Damit die Ansiedlung schneller von statten geht wird der Weidenkorb mit weißer Farbe bestrichen, auch das signalisiert dem Storch: meine Artgenossen waren schon hier. Wir dürfen dem Storch dabei helfen einen guten Lebensraum als Brutgebiet einzunehmen, wir sollten ihn aber nicht mißbrauchen.

Ist bereits ein Brutpaar ansässig, wird die Ansiedlung des zweiten Paares allenfalls 2-3 Jahre dauern, darüber hinaus werden jährlich weitere Kunsthorste belegt werden, unabhängig davon, ob der Lebensraum geeignet ist oder nicht. Immer wieder werden durchziehende Störche ihr Glück dort versuchen, angezogen von den Artgenossen, irregeführt von uns Menschen. Denn wir wissen es eigentlich besser.

Unser Wissen um das Verhalten der Weißstörche muss diese Art entsprechend schützen

Die Ansiedlung der Weißstörche an ungeeigneten Stellen, ohne ausreichendes Nahrungsangebot, stellt eine Gefahr für die Störche, vor allem die Jungstörche dar.  Diese Bruten, der so wichtige Nachwuchs, sie fallen entweder komplett aus oder es wird maximal ein geschwächter Jungstorch gross, der kaum eine Chance hat den Zug zu überleben. Anzeichen dafür ist ein spätes flüggewerden.

Wer einmal empathisch Altstörche beobachtet hat bei der vergeblichen Nahrungssuche auf trockenen unergiebigen Feldern, hungrig, doch vom Bruttrieb getrieben, der empfindet dies nicht als schönes Naturerlebnis, sondern weiß wovon wir hier schreiben.

Natur  – um jeden Preiss?

Bei anhaltendem Nahrungsmangel verlässt dann der männliche Storch in der Regel zuerst den Bruthorst, zieht ab, um sich selbst zu retten. Die zurückbleibende Partnerin hat keine Chance die Brut zu verteidigen und aufzuziehen.

Jungstorch Horst 6T 872
Dieser Jungstorch wurde fast verhungert unter seinem Horst gefunden und in der Uniklinik Gießen durch Infusionen und Intensivpflege gerettet. Zur Überwinterung kam er in unsere Storchenstation

Der Weißstorch ist sehr wohl in der Lage Naturhorste an geeigneter Stelle zu bauen, das zeigt sich zur Zeit in Südhessen, wo immer mehr Baumbruten entstehen. Kunsthorste  führen zu Fehlansiedlungen. Mit Natur hat das für uns nichts zu tun.

Baumbrut Weißstorch
Der eigene Horst war von Nilgänsen belegt, dann baut man sich halt einen eigenen…
Baumbrut im Schwalm-Eder-Kreis
Innerhalb von 3 Wochen baute ein Storchenpaar 2014 diesen Horst

Gute Lebensräume des Weißstorches bringen eine Quote/Bruterfolg von mehr als 70 % hervor. Hier geht es ihm gut, dem Ciconia ciconia, hier macht es auch Freude ihm beim Brutgeschehen zuzuschauen. Verluste sind nie ganz zu vermeiden, aber in einem naturnahen, für Störche geeigneten Lebensraum sind sie die Ausnahme und nicht die Regel. Von 4-5 Jungtieren werden 3-4 oder auch alle satt.

Dazu der Link zu der Statistik Bruterfolg, der Störche im Schwalm-Eder-Kreis